Hecho en Mexico

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Eigentlich war mein Plan, dass ich 3 bis 4 Tage hier in San Cristobal bleibe, um mich dann auf den Weg Richtung Norden zu machen. Doch zum Glueck ist das Leben nicht nur durchdacht und strukturiert, sondern manchmal auch spontan und chaotisch. Ich lernte die Familie von Vicky und Iliana kennen, bei welcher ich nun seit ein paar Tage wohne und wo ich mich sehr willkommen fuehle. Von der Gastfreundschaft der Mexikaner koennen wir noch einiges lernen, da ist es kein Problem, dass ein “Fremder”, wie ich es bin und welchen man erst seit einer Woche kennt, im Haus uebernachten kann.

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Ily y Vicky

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Vicky, yo y Valeska

Die Familie besitz ein Restaurant/Bar, welche jeden Tag Livemusik bietet und sehr gutes Essen hat. Ich durfte nach langer Zeit ohne Arbeit auch wieder einmal im Service arbeiten, da eine Gruppe von 50 Studenten zum Nachtessen kam. Nach ueber 11 Monaten ohne arbeiten (Fahrradfahren zaehlt nicht dazu), war ich froh, wieder einmal richtig anpacken zu koennen. Vicky die Mutter ist grossartig, sie kommt nach der Arbeit auch noch  mit uns “jungen” in den Ausgang und das bis 6 Uhr morgens, VIVA MEXICO.

Aber momentan ist in Mexico nicht nur Friede, Freude und Eierkuchen, denn es geht im Land momentan um wichtige Entscheidungen, die gefaellt werden muessen, da die Lehrer seit 2 Monaten im Streik sind und die Kinder seit Ende Juli nicht mehr zur Schule gehen. Im Fernsehen sieht man deshalb oft gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Lehrer und der Polizei, eine Einigung scheint nur bis zum heutigen Zeitpunkt in einzelnen Bundesstaaten moeglich.

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Die Leute hoffen natuerlich alle auf ein baldiges Ende dieser Proteste, denn die leidtragenden dieser ganzen Geschichte sind die Kinder, welche nicht in die Schule gehen koennen und sich langweilen, und Langeweile ist Naehrboden fuer bloede Ideen. Aber wie ueberall auf der Welt wird halt in der Bildung immer als erstes gespart und die Lehrer sind am Ende die Sklaven der Politiker.

In und um San Cristobal hat es wunderschoene Kirchen, welche man besichtigen kann. Diese Kirche untenstehend ist eine spezielle, denn im Innern gibt es keine Baenke und Stuehle (fotografieren verboten) und die Leute sitzen dort auf dem Boden und beten zu den jeweiligen Heiligen, es hat sogar Schamanen, welche Prozessionen in dieser Kirche durchfuehren, sehr eindruecklich. Ausserdem sind die Leute drinnen und trinken Schnaps, welcher aber auch geopfert wird.

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MEXXXXXICO

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Nun bin ich auch in Mexico, besser gesagt in San Cristobal de las Casas angekommen. Diese Stadt ist eine der schoensten in Mexico, somit habe ich das Highlight schon am Anfang meiner Reise hier in diesem Land. San Cristobal liegt im Bundestaat Chiapas, welcher vor allem fuer den Aufstand der Zapatisten bekannt ist, welche sich fuer die Rechte von der indigenen Bevoelkerung einsetzte und Teilerfolge erziehlen konnte, da die Nachkommen der Maya in der heutigen Gesellschaft immer noch stark benachteiligt wurden.

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Das Angebot an Fruechten und Gemuese ist hier sogar noch groesser als in den anderen Laendern, welche ich bereist habe. Ausserdem ist der Strassenfood hier gut und billig, so kann man fuer CHF 1.20 4 Tacos mit Fleisch und Chilli essen, was braucht das (Radler)Herz mehr? San Cristobal ist auch klimatisch sehr angenehm, da es auf 2200 m.u.M. liegt und somit milde Temperaturen herrschen, die Hitze folgt dann fuer mich noch an der Kueste und in der Baja California.

Ein Highlight, welches man 250 km von San Cristobal besuchen kann ist Palenque, welches Ruinen der Maya sind. Ich entschied mich eine Tagestour dorthin mit einer Reisegruppe zu unternehmen, um einen der Hoehepunkte meiner Mexikoreise zu sehen. Ich musste um 5.30 Uhr aufstehen und kam erst am Abend um 22.30 wieder nach Hause in mein Hostel. Auf dem Weg dorthin hielten wir noch bei einem riesigen Wasserfall an, hinter welchem man sogar durchlaufen konnte. Da dieser Wasserfall im Dschungel liegt und es hier in Mexiko immer noch Regenzeit bis Ende Oktober ist, war unsere Gruppe am Schluss durch den Wasserfall und den Regen durchnaesst, was jedoch keine Rolle spielte, da wir Ersatzkleider dabei hatten.

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In Palenque angekommen waren wir alle sehr beeindruckt von den Ruinen, welche die Maya 100 v. Christus erbauten und welche seine Bluetezeit zwischen 630 und 740 n. Christus hatte, da in dieser Zeit viele Plazas und Gebaeude in Palenque errichtet wurden. Nach 900 war Palenque im Grossen und Ganzen verlassen. Weshalb die Maya die Ruinen verliessen, kann bis heute nicht genau gesagt werden. In dieser Gegend, die Mexikos staerkste Regenfaelle verzeichnet, was wir auch selber am eigenen Koerper erfahren mussten, waren die Ruinen schnell ueberwachsen und der westlichen Welt war die Stadt bis 1746 unbekannt. Damals erzaehlten Mayajaeger dem spanischen Priester Antonio de Solis von der Existenz eines Palasts im Urwald. Es dauerte dann jedoch bis 1952, bis ein mexikanischer Forscher die versteckte Krypta des Pakal (einflussreicher Herrscher der Maya) freilegte.

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El Templo de Las Inscripciones

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Das Reich der Maya reichte von Mexiko nach Belize, zum Norden von Guatemala bis nach Honduras. Die klassische Mayastadt, wie sie in Palenque steht, fungierte fuer umliegende Bauerndoerfer als religioeser, politischer und wirtschaftlicher Mittelpunkt. Vom Gebiet um Palenque ist jedoch nur 10% befreit vom Urwald, der Rest wird immer noch von der Natuer bedeckt. Die Maya waren auf einem hohen Niveau von Architektur, Kunst, Astronomie, Mathematik und Astrologie.

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El templo del Sol

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El templo de la Cruz

Es war sehr faszinierend und mythisch, durch den Dschungel zu laufen und diese Eindrueckliche Bauwerke bestaunen zu duerfen. Unser Fuehrer erklaerte und alles genau und ich haette am liebsten in diese Zeit zurueckversetzt werden wollen, um alles “live” mitverfolgen zu koennen. Wenn die Zeitmaschiene erscheint, werde ich davon sicherlich einer der ersten Passagieren sein.

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DSCN5460Chiapas, das Gebiet rund um Palenque ist fuer mich nicht das “typische” Mexiko, welches ich aus den Filmen kenne, doch gegen Norden zu wird es sicherlich trockener und dann sehne ich mich sicher nach dem Regen, welchen es hier zu Haufen gibt.

La despedida

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Marlon und Elisabeth, die Lehrer unserer Schule (18 und 21 Jahre alt)

Der Mensch ist definitv ein Gewohnheitstier, das wird mir immer wieder bewusst, wenn ich nach einer gewissen Zeit, in meinem Fall nach 3 Wochen in San Pedro la Laguna, mein Fahrrad wieder unter meinen Hintern schwingen muss. Doch auch diesmal hat es wieder geklappt, ehrlich gesagt habe ich das radeln sogar ein bisschen vermisst, was nicht erstaunt aber dennoch gut ist, da ich vor meiner Pause keine grosse Motivation mehr hatte weiterzureisen. Mit meiner Klasse bestiegen wir noch an meinem zweitletzten Tag den Vulkan San Pedro, welcher ueber 3000 m liegt und eine wunderbare Aussicht ueber den Lago Atitlan freigibt.DSCN5075

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Doch von San Pedro ging es dann fuer mich weiter nach Cuatro Caminos, wo ich bei Carl, einem 65-jaehrigen Radfanatiker fuer 3 Naechte uebernachten konnte und einen Vulkan mit ihm bestieg. Um nach Cuatro Caminos zu gelangen musste ich einen Pass von ueber 3000 m bezwingen, kein Wunder hiess dieser Ort Alaska, da es dort wirklich kalt war.

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Carl kenne ich vom Netz warmshowers.org, das ist das Couchsurfing fuer Radler, wo man bei den Leuten gratis uebernachten kann. Natuerlich stellt man dafuer den Leuten dann auch einen Platz in seinem Heim zur Verfuegung, eine warme Douche und ein (trockener) Platz zum schlafen, mehr braucht es nicht um ein Radlerherz gluecklich zu machen. Carl ist seit 35 Jahren mit einer indigenen Frau von Guatemala verheiratet, hat 3 Kinder und all sein Gemuese und Fruechte kommen aus seinem Garten, sogar das Huhn wird nur aus seinem Besitz geschlachtet und gegessen, sehr eindruecklich, wie man sich gesund ernaehren kann.

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Aussicht vom bestiegenen Vulkan

In Huehetenango profitierte ich in der darauffolgenden Nacht auch von warmshowers und konte bei Arturo gratis uebernachten, super System, welches ich in Mexiko und dann an der Westkueste mehr nutzen werde.

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Arturo y yo

Bevor ich die Grenze zu Mexiko erreichte, fuhr ich durch schoene Pinienwaelder, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Fuer mich war dieser Part einer der Schoensten, welchen ich auf meiner Reise bisher gesehen habe. Natuerlich soll und will ich nichts vergleichen, doch die Pinien, die Ruhe und die Natur waren einzigartig.

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Ich werde Guatemala vermissen, da es sehr viele schoene Ecken hat, welche ich noch nicht entdecken konnte. Neben Ecuador ist bis jetzt Guatemala eines meiner Lieblingslaender, wegen den Bergen, den Seen und der Tradition, welche in beiden Laendern gepflegt wird.

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Von ueber 2000 Hoehemeter in Huehetenango fuhr ich unter 1000 Hoehemeter an die Grenze zu Mexiko, was fuer mich fast 80 km nur bergab bedeutete, welche ich jedoch in Mexiko wieder hinaufradeln sollte, wie sich bald herausstellte. Schliesslich kam ich an der Grenze zu Mexiko an und stiess einen Jubelschrei aus, da ich schon immer nach Mexiko gehen wollte und nun endlich am Ziel angelangt war.

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Die Einreise war sehr einfach und ich musste nicht einmal etwas bezahlen (Die Amerikaner, Kanadier und Australier muessen fast in jedem Land ueber 100 Dollar zur Einreise bezahlen). Mit meinem Visum fuer 180 Tage und einer Strecke von ueber 4000 km bis zur Grenze zur USA begann dann ein neuer Abschnitt durch hitzige Felder, bevor sich die Berge vor mir aufbaeumten, welche ich in einem langen Anstieg bezwingen musste. Nach Mexico-City sind es “nur” 1364 km, auf gehts…

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Mein erster Morgen in Mexico