Viva la vida

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Bevor ich mich auf meine alleinige Reise in den Norden unterwegs machte, hatten wir noch 3 interessante Abende in Trujillo mit Lucho, dem Besitzer des Casa de Cyclista, und mit 3 Franzosen, welche alle vom Norden (Mexiko und Quebec) kamen und mir viele Tipps fuer die weitere Reise geben konnten.

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Erwaehnenswert ist dabei Remi aus Frankreich, welcher von Mexiko bis nach Argentinien zu seiner Grossmutter faehrt und dabei nur einen Rucksack mit all seinem Gepaeck dabei hat. Da kommt man sich schon ein bisschen doof vor mit seinen 5 Taschen. Aber er hat kein Zelt, kein Kocher und kann auch nicht viel Nahrung mit sich nehmen, muss zum Teil bis zu  200 km taeglich machen um essen zu koennen und irgendwo zu schlafen, aber auch das geht, denn es gibt immer eine Loesung.

Meine Fahrt durch den Norden war vor allem eine Fahrt gegen die Sonne und die Wueste. Doch zum Glueck hatte ich Rueckenwind und so konnte ich in 5 Tagen 550 km machen und so bis zur Grenze von Ecuador vorstossen. Doch die Gegend war ziemlich oede und ich musste mich immer wieder selbst motivieren, Musik hoeren oder Grammatik auf dem Fahrrad lernen, damit die Zeit verging.

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Doch als ich dann in der Wueste uebernachtete hatte ich dann ENDLICH meinen ersten Plattfuss beim Hinterreifen, da es dort viele Dornen hatte. Denn bis anhin wurde ich von grossen Materialschaeden verschont und konnte somit meine handwerklichen Faehigkeiten auch unter Beweis stellen. Ich ging im Eiltempo voran, da ich unbedingt nach Ecuador wollte, da mir der Norden von Peru irgendwie zu oede war.

Via den Grenzuebergang Macara kam ich schliesslich nach Ecuador, wo mich ploetzlich eine ganz andere Landschaft erwartete. Alles war gruen und die Waehrung war nun der Dollar, da sie hier (wie in vielen suedamerikanischen Laendern) Probleme mit der alten Waehrung hatten und seit 2000 mit dem Dollar die Broetchen bezahlen. Doch Ecuador ist nicht nur schoen, sondern auch hart, vor allem fuer Radfahrer. Denn hier geht es normalerweise 20 km hoch, dann wieder 20 km runter und dann wieder dasselbe von Anfang an.  Aber die Landschaft entschaedigt fuer die Qualen, welche hier mir begegnen, ausserdem ist es ein gutes Hoehetraining hier, da ich mich mehr oder weniger constant auf 2000-3500 m befinde. Doch ich muss frueh um 6 Uhr aufstehen, wenn es noch nicht so heiss ist, denn am Nachmittag drueckt die Sonne fast zu fest, doch dank den Hoehenwinden geht auch dies gut, nur habe ich dann halt viel Gegenwind, was das Vorwaertskommen auch nicht einfacher macht, vale la pena.

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Die erste Nacht konnte ich uebrigens auf dem Schulareal von Limon verbringen, wo ich auch mein Zelt aufstellen konnte (klein im Hintergrund). Ich freue mich, dass ich nun laenger in diesem schoenen Land bleiben kann um die Kultur und Menschen von hier besser kennen zu lernen.

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Da ich auf meinen Bergetappen zu viel schwitzte, habe ich nun wieder kurzes Haar, irgendwie doch noch praktisch… Meine Coiffeuse hatte jedoch weniger ihren Spass (letztes Foto), doch fuer 2 Dollar kann ich nichts sagen.

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Quedar es existir, viajar es vivir

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Ich befand mich nun seit zwei Monaten in Chile und es war an der Zeit weiter zu ziehen. Da der ganze Norden von Chile und auch die ganze Kueste von Peru nur aus Wueste besteht, entschied ich mich, den Bus nach Lima bzw. nach Trujillo im Norden von Peru zu nehmen, um dann von dort mit dem Fahrrad weiter zu fahren. Die Distanz war ca. 3200 km, etwa jene Distanz, welche Remy und ich in 2 Monaten mit dem Fahrrad absolvierten.

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Die Fahrt bis Lima sollte insgesamt 54 Stunden (mehr als 2 Tage im Bus, haha) dauern, doch da es einen Unfall auf dem Weg gab und wir an der Grenze zu Peru warten mussten, verlaengerte sich die Fahrt auf 70 Stunden. Um nach Trujillo zu gelangen war ich dann anschliessend am gleichen Tag nochmals 10 Stunden im Bus, doch dies war dann noch eine Kleinigkeit im Vergleich zur gesamten Reise.

Dies war sicherlich meine laengste Reise, welche ich bis jetzt in meinem Leben gemacht habe, den ich verbrachte insgesamt mehr als 3 Tage nur im Bus und nach einer gewissen Zeit wusste ich nicht mehr, wie ich nun sitzen soll. Das einzige was man waehrend der ganzen Zeit sah war: Wueste.

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Im Bus war ich der einzige “weisse”, welcher sic him Bus befand, die anderen Passagieren waren alle von Ecuador, Peru oder Kolumbien, welche zum Teil 6 Tage bis nach Cali in Kolumbien unterwegs waren. Ich wurde von allen nur “Gringo” genannt, doch dies machte mir nichts aus, da dies nicht boese gemeint ist. Die Sprache war natuerlich Spanisch und die Ecuadorianer sorgten fuer gute Stimmung im Bus, da es sonst immer 4 oder 5 Filme hintereinander gab, von welchen einer schlechter war als der andere. Doch ich nutzte diese Zeit um spanische Grammatik zu lernen, zu lesen, mit den Leuten zu sprechen oder Musik zu hoeren.

Schlange am Zoll

Am Zoll mussten wir insgesamt 4 Stunden warten, weil alle Leute von Ecuador den neusten Flachbildschirm in Chile gekauft hatten (die meisten arbeiteten dort, dank der besseren Wirtschaftslage in Chile) und diese nun nach Hause zur Familie bringen wollten. Es schien fast so, dass der Flachbildschirm und alle anderen technischen Geraete wichtig fuer den Status sind. Andere hatten ihre ganze Haushaltsartikel dabei und dies musste natuerlich alles an der Grenze versteuert bzw. deklariert warden. Soga ich musste mein Fahrrad angeben und etwa eine Stunde am Schalter warten, da nur eine Person fuer diese Arbeit zustaendig war.

Abuelita y yo

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Unterwegs gab es auch 3 Essen, welche im Preis von 100 USD fuer die Fahrt inbegriffen waren. Natuerlich gab es dann immer Reis und Huhn (pollo, que rico), welches ich dann nach einer gewissen Zeit gesehen hatte. Ausser einmal gab es eine Suppe mit leckeren Huehnerbeinen drin, welche ich aber nicht ass, man muss ja nicht alles probieren.

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Als ich dann nach ueber 3 Tagen in Trujillo ankam, konnte ich direkt in das Casa de cyclistas (http://www.cdc-trujillo.ath.cx/) gehen, welches von Lucho gefuehrt wird. Diese Casas de Cyclistas gibt es in der ganzen Welt, zwar nicht in allen Staedten, doch dort koennen Fahrradfahrer gratis uebernachten, ein Trinkgeld ist natuerlich jederzeit willkommen. Momentan bin ich der einzige Fahrradfahrer hier, mal schauen ob noch welche kommen.

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Ich nahm den Bus deswegen bis nach Trujillo, weil auf einem Velofahrerblog geschrieben wurde, dass der Norden von Peru sehr unsicher fuer Fahrradfahrer ist und man diesen Teil deshalb besser auslassen sollte. Ich sprach jedoch nun mit Lucho, dem Besitzer des Casa de cyclistas und er sagte mir, dass es in gewissen Staedten Polizeipatrouille gibt, welche mich dann begleiten kann, es jedoch sonst sicher sei. Trotz allem habe ich natuerlich immer noch gewissen Respekt, doch ich vertraue auf seine Meinung und werde nun diesen Part in Angriff nehmen, denn man darf sich auch nicht zu viel Angst machen, weil es sonst sowieso schief geht. In diesem Sinne noch ein paar schoene Zitate, welche von anderen Fahrradfahrern im Casa de Cyclistas aufgeschrieben wurden:

“No todos los que vagan estan perdidos”

“La aventura es una forma de anticiparse a la muerte”

“El hombre libre es dueño de sus alas y con ella dueño del universo”

“Viajar es una ruptura de los habitos, una conimpcion perpetua de todos los sentidos”

Rund um Trujillo gibt es ausserdem noch Tempel Chan-Chan der Chimu zu sehen, welche dann von den Inka “uebernommen” wurden. Die alten alten Tempel sind jedoch im Vergleich zum Machu Pichu in nicht so gutem Zustand, trotzdem interessant zu besichtigen. Trujillo kenne ich ja bereits ein bisschen, da ich vor 3 Jahren mit Thierry und Andrea auch hier war, deshalb will ich nun moeglichst schnell mit dem Fahrrad nach Ecuador, um neue Landschaften kennen zu lernen.

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